Jun 022007
 

Heute fand das jährliche Fest der dänischen Minderheit unter dem Motto „Über Grenzen hinweg“ in Eckernförde statt. Dazu waren die Parteien der Eckernförder Ratsversammlung vom Sydslesvigsk Forening eingeladen, verbunden mit der Bitte, ein Grußwort zu sprechen.
Nun finde ich es einigermaßen schwer, die für Grußworte nötige Kürze hinzubekommen, ohne dabei inhaltlich in Blabla abzugleiten. Ich hoffe, das ist mir gelungen:

Ich bin sehr dankbar, dass ich heute die Gelegenheit erhalte, beim jährlichen Fest der dänischen Volksgruppe das Grußwort für die Eckernförder FDP an Sie zu richten. „Über Grenzen hinweg“ ist das Motto der Veranstaltung. Aber welche Grenzen könnten damit gemeint sein?

Nahe liegend ist zunächst die Betrachtung der Staatsgrenze zwischen dem dänischen Königreich und der Bundesrepublik Deutschland. Diese war über Jahrhunderte umkämpft – auch Eckernförde hat in dieser Hinsicht Orte von historischer Bedeutung aufzuweisen. Gerade im 19. Jahrhundert war die Grenzziehung Anlass zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde dann der Grenzverlauf zwischen Deutschland und Dänemark mittels Volksabstimmung festgelegt.

Doch erst die Bonn-Kopenhagener Erklärung schuf vor 52 Jahren mit der Festlegung der Rechte der jeweiligen Minderheiten die Grundlage für das friedliche Zusammenleben von Dänen, Deutschen und auch Friesen an dieser Schnittstelle zwischen Zentral- und Nordeuropa. Heute ist der Grenzverlauf unstrittig. Seit dem Abbau der Grenzkontrollpunkte merkt man kaum noch, wenn man in den jeweils anderen Staat übertritt.

Aber es existiert noch eine weitere Grenze. Und diese ist immer wieder neu zu definieren, maßgeblich durch die jeweilige nationale Minderheit. Ich spreche von der Grenze, die auf der einen Seite die gesellschaftliche Integration erlaubt und auf der anderen Seite eine Assimilation verhindert. Diese Grenze ist von besonderer Wichtigkeit, und zwar nicht nur für die Identität der dänischen Volksgruppe selbst, sondern auch für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben insgesamt.

Eckernförde ist bereits ein klein wenig Dänemark – auch das macht den ganz besonderen Reiz für Einwohner und Touristen aus. Und so soll es auch bleiben, denn dänische Lebensart und -freude bereichern unser tägliches Leben mehr, als man es im Alltag zumeist wahr nimmt. Deswegen wünsche ich mir, dass unsere Mitbürger der dänischen Volksgruppe weiterhin diese Grenze wie bisher mit so viel Feingefühl ziehen – dass sie zwar Teil unserer Gemeinschaft sind, aber eben unverkennbar auch Dänen.

Über diese beiden Grenzen hinweg, die staatliche und die zwischen deutscher und dänischer Volksgruppe, lernen wir alle voneinander. Zusammen sind wir ein Vorbild für viele Regionen in Europa und der Welt. Dort, wo man immer noch gewaltsam versucht Grenzen zu ziehen, Minderheiten zu diskriminieren, zu vertreiben oder zu töten, können wir Hoffnung geben – dafür, dass ein Miteinander besser funktioniert. Wir können stolz sein, auf das, was wir gemeinsam geschaffen haben. Aber wir müssen sorgsam damit umgehen und unseren Umgang miteinander regelmäßig prüfen. Ich bin mir ganz sicher, dass wir auf diesem Wege unser Erfolgsmodell des Zusammenlebens erhalten und ausbauen werden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Jahresfest, über alle Grenzen hinweg.

  Eine Antwort zu “Årsmøde 2007”

  1. Auch zum diesjährigen Jahrestreffen der dänischen Minderheit in Eckernförde war ich wieder eingeladen, ein Grußwort für die Eckernförder FDP zu halten. Da ich aufgrund der Erfahrung des letzten Jahres die Erfahrung hatte, das viele und teilweise lange Red

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