Nov 162007
 

Wahlanalyse auf Venezolanisch? (Quelle: www.vcrisis.com)

Gestern schrieb ich über den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und seine absehbare Entwicklung zum Diktator und vorgestern über die absehbare Entscheidung, in Hamburg die digitalen Wahlstifte nicht zur Bürgerschaftswahl zuzulassen. Wenn man beides summiert, erhält man als Thema einen Überblick über den Einsatz von Wahlmaschinen in Venezuela. Dieser lässt einen fassungslos zurück, weil er aufzeigt, was prinzipiell möglich ist, wenn elektronische Stimmabgabe in die falschen Hände gerät.

Meine allmorgendliche Feed-Lektüre brachte mich über den unvermeidlichen Rabenhorst zu einem schlicht unglaublichen Artikel im Blog von Jan Schejbal. Er beschreibt dort, wie in Venezuela die Entscheidungen der Wähler in einer Datenbank erfasst und dann zur Auswertung zur Verfügung stellt. Und er verweist auf einen noch viel unglaublicheren Eintrag , der anhand von Screenshots aufzeigt, wie diese Daten dann ausgewertet werden können. Jan Schejbal fasst dann folgerichtig zusammen:

Immerhin haben die Schlägertrupps jetzt eine äußerst hochwertige Liste aller Personen, die „überzeugt“ werden müssen, das nächste Mal „richtig“ zu wählen. Mit Adressen. Übrigens gibt es in der Datenbank ein Ja/Nein-Datenfeld „Oppositor“ (frei übersetzt: politischer Gegner) damit man Personen der „falschen“ Meinung richtig schnell findet.

Kombiniert mit biometrischen Daten wie beispielsweise Fingerabdrücken (für Ausweisdokumente erfasst) sowie einer über das Leben hinaus eindeutigen (Steuer-)Indentifikationsnummer und gespeicherten Kommunikationsprofilen (Vorratsdatenspeicherung) und der so genannten Anti-Terrordatei ergäben sich in Deutschland Möglichkeiten, von denen jeder Data Warehouser träumt, die andererseits aber jedem Rechtsstaatler, Liberalen oder Bürgerrechtler die Perlen des kalten Schweißes auf die Stirn treten lassen.

Nun könnte man ja einwenden, dass dieser Missbrauch in Deutschland ausgeschlossen wäre, weil entsprechende Gesetze dem entgegen stünden. Aber wir hatten hier ja auch in der Vergangenheit schon einmal Gesetze, die die Unschuldsvermutung sicher stellten. Das kann ja jederzeit geändert werden, wie man sieht. Schöne neue Welt!

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