Feb 232008
 

Die Kandidaten zur Landratswahl mit der FDP-Kreisvorsitzenden Christine Aschenberg-Dugnus auf dem FDP-Kreisparteitag am 29.10.2007.

In der heutigen Ausgabe berichtet die Eckernförder Zeitung (EZ) wieder einmal über das Wahlkampfdilemma der CDU bei der kommenden Landratswahl. Denn am 25. Mai tritt der parteilose CDU-Kandidat Rolf-Oliver Schwemer gegen das unabhängige CDU-Mitglied Wolfgang von Ancken an, den derzeitigen und von der FDP unterstützten Amtsinhaber.

Das ist eine unangenehme Sache für die Christdemokraten, die in vergleichbarer Situtation vor einiger Zeit im Kreis Plön komplett in die Hose ging, als ein nicht von der CDU unterstütztes Parteimitglied sich gegen den Kandidaten der Partei durchsetzte. Dieses Mal könnte es für die CDU noch schlimmer kommen, wenn sie mit der „Doppelkandidatur“ dem SPD-Kandidaten Frank Martens zum Amt verhilft. Eine mögliche Stichwahl Martens gegen von Ancken wäre wohl der absolute politische GAU für die Kreis-CDU.

Das alles ist lange bekannt und muss eigentlich nicht weiter diskutiert werden. Der Anlass aktuellen der Berichterstattung ist allerdings der Umgang der CDU mit ihrem eigenen Parteimitglied, der mittlerweile mehr als fragwürdig ist – so sehr fragwürdig zumindest, dass inzwischen eben auch die der CDU gegenüber bestimmt nicht feindselig eingestellte EZ kritisch berichtet.

Konkret hat die CDU wohl an ihre Mitglieder einen Brief verschickt, in welchem sie bei denen noch einmal für die Unterstützung ihres Kandidaten warb. Die EZ beschreibt die möglichen Gründe für diesen Brief folgendermaßen:

Offenbar sah sich die CDU dazu genötigt, weil an der Parteibasis immer wieder Fragen laut wurden, warum die CDU nicht den Amtsinhaber, sondern einen parteilosen Bewerber unterstütze.

Diese Frage ist ja auch berechtigt, denn es müssen schon gravierende Gründe dafür vorliegen, den eigenen Landrat, dem man bei der letzten Landratswahl ins Amt verholfen hat, nun nicht mehr zu unterstützen. Deshalb wirft die CDU dem Landrat auch Versäumnisse vor, wie die EZ berichtet:

Im Schreiben werden die vermeintlichen Versäumnisse und Fehler des Landrats dargestellt. „In Bezug auf die Tätigkeit des Landrats als Chef der Kreisverwaltung gab es seit vielen Jahren zuweilen massive Kritik aus der eigenen Partei„, heißt es an einer Stelle. Beispiele fehlen allerdings.

Vor Gericht würde man solche Behauptungen ohne konkreten Nachweis wohl „üble Nachrede“ nennen. Rolf-Oliver Schwemer begrüßt diesen Brief und erklärt nach Angaben der EZ gleichzeitig:

Grundsätzlich will ich mich aus der Geschichte zwischen der CDU und dem Landrat heraushalten.

Mit seiner Akzeptanz dieses Briefes hat er dieses Ziel wohl verfehlt und sich direkt in diese schmutzige Auseinandersetzung begeben. Schwemer ist nicht zu beneiden, auch wenn er sich von der CDU dem Artikel nach gut unterstützt fühlt. Denn egal wie die Sache ausgeht, etwas von dem Dreck wird an dem sympatischen leitenden Verwaltungsdirektor des Kreises Dithmarschen hängen bleiben. Hätte er sich von dem Brief distanziert, wären seine Unterstützer düpiert gewesen, jetzt allerdings hängt er in der Schmutzkampagne mitten drin. Ob er wusste, worauf er sich einließ, als er sich nach einer vorherigen Absage an die CDU doch noch zur Kandidatur bereit erklärte?

Schlussendlich beweist die CDU auch noch einen merkwürdigen Umgang mit ihrem Mitglied von Ancken, dem sie anscheinend die normale parteiinterne Information der Mitgliedern vorenthält, die wohl jedem Parteimitglied ohne Ansehen der Person gleichermaßen zustehen sollte. Vielleicht gelten in der CDU ja aber auch andere Sitten, als in den übrigen Parteien. Man kann vom Amtsinhaber halten, was man will, aber wenn seine Schilderung wahr ist, kann man sich nur noch an den Kopf fassen:

[…E]twas findet der Landrat bemerkenswert: „Meine Frau und ich sind langjährige Mitglieder der Partei. Uns hat man den Brief nicht zugeschickt.“ Erst durch Parteifreunde sei er auf das Schreiben aufmerksam gemacht geworden. […] Parteifreunde schüttelten über den Kurs der CDU inzwischen nur den Kopf.

Die Wahl um das stilloseste Verhalten in diesem Wahlkampf hat die CDU bereits gewonnen, und zwar mit größtmöglichem Abstand. Vermutlich stimmt die Einschätzung des Landrats, dass sich die Kreis-CDU „in Panik“ befinde. Rational handelnde, zivilisierte Mitteleuropäer würden solch ein Verhalten sonst wohl kaum an den Tag legen. Und das wollen die Christdemokraten doch sein, oder?

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