Mrz 172008
 

Ich verfolge die Diskussion um die Entwicklung des Kirchplatzes in der Presse seit einiger Zeit mit großem Interesse. Eine Diskussion, die wichtig ist, weil es auch darum geht, einen Platz zu schaffen, der von den Eckernfördern akzeptiert wird – zumindest mehrheitlich. Ob die Diskussion in Ton und Faktentreue so ablaufen muss wie zur Zeit, sei dahingestellt.

Herr Dr. Mehl allerdings nötigt mich mit seinem Beitrag, jetzt auch selbst aktiv in diese Auseinandersetzung einzugreifen. Er schreibt nämlich:

Und fassungslos begegnet man dem Plan einer Absenkung des gesamten Platzes […] um einen halben Meter, einzig und allein, um Rollstuhlfahrer ohne hindernde Treppe in die Kirche rollen zu lassen.

Wie Anmaßung klingt, aus dem Mund der Kirchenmänner, die Ablehnung eines behindertengerechten Zugangs in der Kirche. Der zentrale, mittelalterlich geprägte Platz einer Stadt kann komplett abgesenkt werden, aber eine kleine Rampe innen am Eingang stört ‚den sakralen Raum‘!

Was mich fassungslos macht, ist die anmaßende Haltung Herrn Dr. Mehls, dass man den Platz absenken will, „einzig und allein“ der Zuwegung für die Rollstuhlfahrer wegen. Es geht nicht ausschließlich um den Zugang zur Kirche. Der Kirchplatz ist nämlich nicht nur ein Platz um die Kirche herum, er ist Ort des gesellschaftlichen Lebens in Eckernförde: Hier finden Wochenmärkte und Weihnachtsmärkte statt, hier liegt auch das Ziel des Stadtlaufes. Und an diesem Ort müssen sich Menschen mit Handicap bewegen dürfen.

Es geht auch nicht nur um Rollstuhlfahrer. Es geht um alle Menschen, die unsicher zu Fuß sind – mit Rollator oder Stock – und um Eltern mit Kinderwagen sowie Kinder mit Dreirad oder Roller. All diesen Menschen ist mit einer Rampe in der Kirche nicht geholfen. Gerade die Anzahl der Menschen, die auf unebenem Gelände mit der Fortbewegung Probleme haben, wird mit der Alterung unserer Gesellschaft zunehmen.

Bei der Veränderung jedes öffentlichen Raumes ist sicher zu stellen, dass diese Mitbürger nicht ausgegrenzt werden. Eckernförde muss meiner Meinung nach weiter daran arbeiten, eine familienfreundliche und barrierefreie Stadt zu werden. Da hilft es nicht, augenscheinliche Probleme der Kopfsteinpflasterung kleinzureden und zu verharmlosen. Das bedeutet nicht, dass der Einsatz des alten Pflasters unmöglich ist. Aber ein wenig mehr Gedanken sollte man dann schon daran verschwenden, wie man das ohne die genannten Probleme hinbekommt.

Denn so einfach, wie Herr Dr. Mehl die Welt darstellt, ist sie leider nicht. Manchmal hilft durchaus der Versuch, über den Blickwinkel der eigenen fachlichen oder persönlichen Interessen hinaus zu blicken.


(Veröffentlicht am 18.03.2008 in der Eckernförder Zeitung in leicht gekürzter Form.)

  Eine Antwort zu “Leserbrief zur Entwicklung des Kirchplatzes”

  1. Am gestrigen Nachmittag haben auf Initiative der Tandem Seniorenbegleitung Mitglieder der Eckernförder Ratsversammlung im Selbstversuch per Rollstuhl die Kieler Straße, den Rathausmarkt, den Kirchplatz und die Nicolaistraße befahren. Dabei haben sie sich

Kommentare sind derzeit nicht möglich.