Apr 162008
 

Nun ist sie offen, die Büchse der Pandora. Ging es bisher bei der Prä-Implantationsdiagnostik (PID) darum, dass Eltern ausschließen wollten, dass ihre Kinder mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen zur Welt gelangen, berichtet Telepolis jetzt davon, dass taube Eltern in die Gegenrichtung marschieren und sich ein taubes Kind zurecht designen lassen wollen.

Die Briten wiederum möchten diesem Bericht zufolge genau das verbieten lassen, wie aus dem Gesetzentwurf zur Human Fertilisation and Embryology Bill hervor gehen soll. Dort heißt es dann in Abschnitt 14/4/9 (eigene Übersetzung):

Personen oder Embryos, von denen eine Abnormalität an Genen, Chromosomen oder Mitochondrien bekannt ist, aus denen ein signifikantes Risiko folgt, dass eine Person mit der Abnormalität

(a) eine ernsthafte körperliche oder mentale Behinderung,
(b) eine ernsthafte Krankheit oder
(c) irgendwelche anderen ernsthaften medizinischen Umstände

besitzen oder entwickeln wird, dürfen nicht denen gegenüber bevorzugt werden, von denen bekannt ist, dass sie eine solche Abnormalität nicht aufweisen.

Ich kann nicht gerade sagen, dass mir die geplante „negative“ Selektion der Eltern weniger abstoßend erscheint, als jede „positive“ Selektion. Beantwortet wird aus jeweiliger Sicht die Frage nach „lebenswertem“ oder „lebensunwertem“ Leben.

Der Wunsch der tauben Eltern wirft aber immerhin die Frage auf, welche Kriterien zur Auswahl legitim sind, wer das Recht hat, diese Kriterien überhaupt festzulegen (mit denen andere, nämlich die Kinder später klar kommen müssen) und ob wir das Recht oder auch die Pflicht haben, in den Prozess der Zeugung nach bestem Wissen und Gewissen – oder eben schlicht mit persönlichen Bedürfnissen und Wünschen – einzugreifen.

Alles Fragen übrigens, die meiner Empfindung nach bisher weder zufriedenstellend ausreichend beantwortet noch überhaupt nur diskutiert worden sind. Das allerdings scheint im Wahn der Machbarkeitsphantasien gesellschaftlich auch nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen…

  2 Antworten zu “Offene Büchse”

  1. Philosophen beschreiben auf unverständliche Art und Weise ihren Blick auf die Wirklichkeit. Eigentlich könnte man das einfacher, klarer und stringenter erledigen. So oder ähnlich werden sich die meisten an den Philosophie-Unterricht in der Schule erinnern

  2. Gegen die heutigen Möglichkeiten gemessen, war Frankenstein FSK 6.

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