Jun 142008
 

Nachdem der Strander FDP-Vorsitzende Christian Albrecht sich vorgestern zum merkwürdigen Demokratieverständnis Dänischenhagener CDU-Vertreter in der Eckernförder Zeitung geäußert hatte, las ich gestern den folgenden Leserbrief in den Eckernförder Nachrichten, dem Lokalteil der Kieler Nachrichten für unser Ostseestädtchen:

Unverständnis und Kopfschütteln
Betr.: Artikel „Dietmar Wagner will kandidieren“

Als interessierte Dänischenhagenerin verfolge ich die politische Entwicklung in Dänischenhagen sehr kritisch. Unsere Gemeinde hat sich in den letzten Jahren zu einer beliebten Randgemeinde Kiels entwickelt. Dafür gebührt den bisherigen Gemeindevertretern Lob und Anerkennung.

Als Bürgerin dieser Gemeinde (seit 1975) begrüße ich dies sehr. Man fühlte sich gut vertreten. Mir ist natürlich nicht verborgen geblieben, dass der Umgang im politischen Alltag sehr rauh war. Daher hat mich der Wahlerfolg der Wählergemeinschaft FDP/WIR nicht überrascht.

Die Bürger wollten keine absoluten Mehrheiten. Die CDU errang sieben Sitze und bleibt führende Fraktion, gefolgt von der SPD mit sechs Sitzen. Schlusslicht ist die Wählergemeinschaft FDP/WIR mit vier Sitzen. Für Dietmar Wagner votierten 171 Wähler. Ein nicht gerade überzeugendes Ergebnis.

Daher kann ich auf die Nachricht, dass Herr Wagner sich als Bürgermeister vorschlagen möchte, nur mit Unverständnis und Kopfschütteln reagieren. Der Wählerwille bleibt bei diesem Entschluss vollkommen auf der Strecke. Ich frage mich, denkt Herr Wagner bei diesem Entschluss überhaupt an die Gemeinde? Eine ehrenamtliche Tätigkeit in unserer Gemeinde hat er meines Wissens bisher nicht ausgeübt.

Bleibt nur zu hoffen, dass die beiden führenden Fraktionen nicht den Fehler machen, sich dem anmaßenden Vorschlag der FDP/WIR Fraktion anzuschließen.

Ich kenne Wolfgang Steffen und Horst Mattig. Wer ist eigentlich Dietmar Wagner?

Renate Conrads,
Dänischenhagen

Dazu ist folgendes festzustellen:

  1. Wolfgang Steffen (CDU) ist amtierender Bürgermeister der Gemeinde Dänischenhagen.
  2. Horst Mattig ist von der SPD als Vertreter für den Amtsausschuss vorgeschlagen worden. Die CDU hat sich fast ein Jahr lang geweigert, diesen Vorschlag in den entsprechenden Sitzungen zu bestätigen. Die SPD hat Herrn Mattig daraufhin jedes Mal erneut nominiert, erst in der fünften Sitzung gelang die Wahl. Die Eckernförder Zeitung dazu am 17. Mai:

    Fast ein Jahr ist es her, dass die CDU bei der Abstimmung über die Wahl eines weiteren Mitglieds für den Amtsausschuss mit der Ablehnung des von der SPD vorgeschlagenen Horst Mattig für einen Eklat sorgte. Die Sozialdemokraten hatten daraufhin geschlossen die Sitzung in der Kaltenhofer Feuerwache verlassen. Das hatte es noch nicht gegeben. Drei weitere Male stand das Thema auf der Tagesordnung. Drei weitere Male fand sich keine Mehrheit für Horst Mattig. Im fünften Anlauf aber hat die SPD es geschafft – mit acht Ja-, sieben Nein-Stimmen und einer Enthaltung. Ob das Ergebnis auch so ausgefallen wäre, wenn alle CDU-Vertreter anwesend gewesen wären, ist fraglich. Ebenso, ob die SPD mit dem Ergebnis zufrieden sein kann. Denn nach dem Sitzungskalender wird der Amtsausschuss vor der Kommunalwahl nicht mehr tagen, es sei denn etwas Dringendes kommt dazwischen.

  3. Wolfgang Steffen hat dem Vernehmen nach in allen Abstimmungen für Herrn Mattig gestimmt. Als Bürgermeister ist es ihm allerdings nicht gelungen, seine CDU-Fraktion und die SPD-Fraktion zu einem vernünftigen Ausgleich und professionellem Umgang in dieser Angelegenheit zu bringen.
  4. Bei der Kommunalwahl am 26. Mai erziehlte die erstmalig angetretene Wählergemeinschaft FDP/WIR aus dem Stand ein Ergebnis von knapp 26 Prozent. Die Eckernförder Zeitung titelte daraufhin: „‚Gigantisches Ergebnis‘ für die neue Kraft
  5. Anders als für das Amt eines Bürgervorstehers gibt es kein festes Vorschlagsrecht für die Wahl zum ehrenamtlichen Bürgermeister. Jeder darf und kann sich selbst oder einen anderen vorschlagen. Es gibt keine Regelung, die dieses verbietet – zumal wenn man aus dem Stand mehr als ein Viertel aller Wähler für die eigene Sache gewinnen konnte.

Daraufhin fühlte ich mich bemüßigt, doch mein Amüsement über ein solch krudes Demokratieverständnis, wie es aus diesem – meiner Meinung nach als politische „Auftragsarbeit“ verfassten – Leserbrief spricht, zur Kenntnis zu geben:

Leserbrief zur Bürgermeisterwahl in Dänischenhagen

Heute morgen habe ich vor Lachen fast den Tee über mein Frühstücksbrot geprustet, als ich die Meinung von Frau Conrads zur Kandidatur Dietmar Wagners für das Amt des Bürgermeisters in Dänischenhagen gelesen habe. Als Begründung für ihre Ablehnung führt sie unter anderem an, dass die möglichen Bewerber von SPD und CDU im Gegensatz zu Herrn Wagner seit langem im Ort tätig und bekannt seien.

Bekannt sind die beiden Herren in der Tat – über die Grenzen Dänischenhagens hinaus: der eine, weil er unzählige Male bei der Wahl als SPD-Vertreter zum Amtsausschuss durchgefallen ist, der andere, weil er als Bürgermeister seine eigene CDU-Fraktion nicht dazu bringen konnte, mit der SPD zu einer Lösung in dieser Frage zu gelangen. Und diese unvorteilhafte Bekanntheit für Bockbeinigkeit und kommunikatives Unvermögen qualifiziert nun also beide Vertreter in den Augen von Frau Conrads für das Amt des Bürgermeisters?

Es ist in der Tat sehr mutig von Herrn Wagner, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Die beiden anderen Herren haben allerdings bewiesen, dass Erfahrung gerade auch im Umgang mit machtpolitischen Spielchen eher kontraproduktiv für die Interessen der Gemeinde sein kann. Da ist die Wahl einer unbelasteten Person eher Vor- denn Nachteil.

Ich wünsche der Fraktion von FDP/WIR jedenfalls viel Erfolg mit ihrer Initiative und Herrn Wagner anschließend ein glückliches Händchen. Denn damit wäre er vermutlich das Beste, was Dänischenhagen nach der Krawallpolitik der letzten Jahre passieren kann.

Ein wenig erstaunt war ich dann, dass daraus eine Meldung auf der heutigen „Titelseite“ der Eckernförder Nachrichten wurde – dort natürlich etwas gekürzt:

„Mutige Kandidatur“

Mutig findet FDP-Ratsherr Oliver Fink die erklärte Absicht von Dietmar Wagner, in Dänischenhagen für die vierköpfige FDP/WIR-Fraktion als Bürgermeisterkandidat anzutreten. Damit wird es bei der konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung am 24. Juni voraussichtlich drei Kandidaten geben – mit Wolfgang Steffen für die siebenköpfige CDU- und Horst Mattig für die sechsköpfige SPD-Fraktion. Fink sieht Wagner als unbelasteten, wenn auch noch unerfahrenen Kandidaten für dieses Amt als möglichen Vorteil für die Gemeinde. Denn die beiden anderen hätten schon bewiesen, dass „Erfahrung gerade auch im Umgang mit machtpolitischen Spielchen eher kontraproduktiv für die Interessen“ Dänischenhagens sein könne.

So groß wollte ich das gar nicht aufhängen. Ich fand nur, diesen unseligen ersten Leserbrief sollte man nicht unkommentiert lassen…

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