Feb 272009
 

Ich war heute zusammen mit Vertretern der übrigen Fraktionen in der Eckernförder Ratsversammlung, dem Bürgermeister, Landes- und Bundespolitikern zu einem Informationsgespräch des Betriebsrats der Firma Sauer & Sohn und der IG Metall zur Situation in diesem Betrieb geladen. Es geht dabei um den Abbau von 150 Mitarbeitern – für eine Kleinstadt wie Eckernförde in der wirtschaftlichen Diaspora eine durchaus erkleckliche Menge. Sauer & Sohn ist der größte private Arbeitgeber vor Ort.

Nun kann und muss man sich als Liberaler ja durchaus fragen, ob und in welchem Maße man sich in die Belange eines Wirtschaftsbetriebes einmischen sollte, gerade auch wenn es sich um mittelständische Betriebe handelt, in denen in der Regel ja durchaus noch ein Bezug zwischen Eigentümern und Belegschaft besteht. Bei Kritik an „den Unternehmern“ weise ich inzwischen auch immer wieder gern darauf hin, dass diese sich in der Regel eben gerade nicht auf „Unternehmer“ bezieht, sondern auf Management-Raubritter ohne unternehmerische Verantwortung in Großunternehmen – beispielsweise bei der HSH Nordbank. Im Mittelstand, so ergänze ich dann meist, stelle sich die Situation ganz anders dar. Üblicherweise ist das auch so. Bei Sauer & Sohn jedoch scheint es im Moment so ganz und gar nicht Mittelstands-like abzulaufen.

Sauer & Sohn gehört zur Lüke-Ortmeier Gruppe zusammen mit Blaser Jagdwaffen in Isny, Allgäu sowie SIG Arms in den USA. Die Eigentümer selbst sind nicht in Eckernförde ansässig und die angestellten Geschäftsführer haben wohl in den letzten Monaten regelmäßig gewechselt. So scheint der Kontakt zwischen den Eigentümern und der Belegschaft nicht einmal annähernd zufriedenstellend zu funktionieren. Eine zunkunftsgerichtete Strategie für den Standort Eckernförde war aus der Berichterstattung der letzten Monate nicht zu entnehmen. Und mehr Klarheit konnte diesbezüglich auch das Gespräch mit dem Betriebsrat nicht bringen. Denn die Vertreter der Belegschaft scheinen kaum besser durch die Firmenleitung informiert worden zu sein als die Öffentlichkeit.

Wenn denn überhaupt irgend eine Art von Strategie erkennbar zu sein scheint, dann könnte es lediglich eine sein, den Standort Eckernförde zu Gunsten der anderen zu „entkernen“ und mittelfristig möglichst billig abzuwickeln. Nach all dem, was ich heute erfahren habe, scheint es in der letzten Zeit durchaus Probleme bei Sauer & Sohn gegeben zu haben. Diese sollen aber im Wesentlichen Folgeerscheinungen von Management-Fehler gewesen sein und das Unternehmen nicht im Bestand gefährdet haben. Die Wirtschaftskrise hingegen scheint sich bisher nicht nennenswert auszuwirken. So wie die Vertreter des Betriebsrats und der IG Metall diese Sachverhalte darstellten, erschien es durchaus plausibel und stringent.

Nun ist es durchaus so, dass ein Unternehmer das Recht hat, seine Firmen abzuwirtschaften, umzustrukturieren, neu aufzustellen und sich von Mitarbeitern zu trennen. Ich zweifle auch bisher nicht daran, dass die Eigentümer von Sauer & Sohn nicht gegen Recht und Gesetz verstoßen haben. Allerdings gehe ich davon aus, dass wir in Mitteleuropa bestimmte durch den Anstand geprägte Umgangsformen pflegen, die ich – nach allen Informationen, die mir bisher vorliegen – hier nicht in Anwendung sehe. Dazu gehört meiner Meinung nach, dass man mit Mitarbeitern fair umgeht. Insbesondere bedeutet das, sich der Diskussion und Auseinandersetzung mit den 150 Personen zu stellen, die vermutlich ihren Arbeitsplatz verlieren, und den anderen aufzuzeigen, wie ihre Zukunft aussieht.

Diese Zukunft jedoch scheint mir für Sauer & Sohn nicht besonders rosig zu werden. Weniger, weil eine vernünftige wirtschaftlich nicht möglich wäre, sondern vielmehr, weil sie am Standort Eckernförde nicht gewünscht wird. Weil unternehmerische Fähigkeiten und menschlicher Umgang nicht im notwendigen Maße präsent sind, weil die Mitarbeiter in diesen Überlegungen nicht einmal ansatzweise eine Rolle zu spielen scheinen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier auf dem Rücken der Belegschaft ein richtig übles Spiel abgezogen wird.

Auch wenn die politischen Vertreter wenig Einfluss auf den weiteren Verlauf nehmen können: Ich finde es gut, dass wir gemeinsam dafür eintreten, eine fairen Umgang mit den Mitarbeitern und dem Standort Eckernförde zu erreichen.

1. Update:
Im Bericht der Kieler Nachrichten hat mich Kai Pörksen zu Ulf Fink gemacht. 🙂

2. Update:
Inzwischen hat die Eckernförder Zeitung ihren Bericht ebenfalls online gestellt.

  2 Antworten zu “Was läuft bei Sauer & Sohn? (2. Update)”

  1. moin horst,

    ich finde deinen kommentar auf den punkt gebracht, ich selber verbinde mein leben lang sauer mit eckernförde und finde es traurig, in welcher art und weise verfahren wird.

    auf der anderen seite geht es nunmal um profit in dieser welt, so etwas passiert täglich auf der welt, was nicht heissen soll, dass ich es gut heisse. was mich nur an diesem ganzen hin und her stört ist die tatsache, dass wir hier in eckernförde sehr gute arbeiter für hochwertige produktionen haben und alle nur jammern anstatt sich um eine nachnutzung zu bemühen. da sehe ich die stadt, den kreis und das land samt organen und instrumenten in der pflicht, nicht die besitzer von sauer. es muss eine neue produktion her, die mit dem potenzial zu bewerstelligen ist. eine neue produktion bedeutet auch eine umstellung, was jedoch kein problem darstellt, lediglich eine umschulung.

    wenn ich unser provinzblatt aufschlage würde ich am liebsten brechen, da nur gejammert und diskutiert wird, und das schon viel zu lange. ich befürchte, dass dieser trott auch dazu führen wird, das man sich eine nachnutzung von der backe schmieren kann, was sehr schade und bedauerlich ist.

    ich wünsche dir und deinen kollegen alles gute und ein wunder

  2. hallo ,
    ich denke das Sauer in 2 Jahren nur noch eine leere Halle ist , denn es werden alle Möglichkeiten dafür ausgenutzt ! Der Bau einer neuen Halle in Isny , der Anbau bei Sig Arms in den USA , 23 Maschinen die schon als Leasing-Maschinen deklariert sind , der Produktname Sauer&Sohn , verkauft an Blaser , die Belegschaft eingeschüchtert !
    Es ist alles vorhanden für das ENDE dieser Firma !
    Die Lauffertigung wird nur noch gebraucht bis Blaser in der neuen Halle zurecht kommt und der Pistolenbereich geht in die USA !
    Ich bin ja nur ein kleiner dummer Arbeiter , aber das was unser Chef da abzieht ist genial !
    Nur leider merken es zuwenige !!!
    Der kommt aus der ganzen Sauer- Geschichte fast zum Null- tarif raus , steckt sich noch Gewinne ein und für die , die mal über Jahre seine Millionen erwirtschaftet haben hat ER keine Kohle mehr ! Und zum Schluß bekommt ER die Kohle für das Areal auf dem Sauer&Sohn einst Waffen in alle Welt verschickt hat !!!
    Leider regiert Habgier die Welt und das immer auf dem Rücken der Kleinen Leute !!!
    Jeder von diesen netten Grinsebacken in SUPERMANNANZÜGEN sollte mal 1/2 Jahr von dem Lohn eines kleinen Arbeiters leben !!!!
    ER kann uns alles nehmen , nur eins hat ER nie begriffen ::::
    Wir haben für diese Firma gelebt und uns mit dieser Firma identifiziert ! Was Jemand , der nur Geld und Zahlen sieht nicht verstehen kann !!
    Mfg horsti

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