Jun 302009
 

Die Elternvertretung der Fritz-Reuter-Schule in Eckernförde, der ich als stellvertretender Vorsitzender angehöre, hat sich in ihrer gestrigen Sitzung klar gegen die von CDU und SSW geplante Schließung der „pädagogischen Insel“ ausgesprochen. In der Diskussion darüber wurde noch einmal die fachliche Unkenntnis der Befürworter der Schließung deutlich, die neben der Insel auch gleich noch einen maßgeblichen Teil der wohnumfeldbezogenen Kinder- und Jugendarbeit beerdigen werden – vermutlich ohne zu wissen, was sie da nun wieder anrichten. Die Pressemeldung der Elternvertretung im Wortlaut:

Die geplante Reduzierung der wohnumfeldbezogenen Jugendarbeit im Bereich der Fritz-Reuter-Schule und die damit verbundene Abschaffung der „pädagogischen Insel“ war am gestrigen Abend großes Thema auf der Sitzung des Schulelternbeirates der Fritz-Reuter-Schule. Eingeladen waren neben den Elternvertretern Thomas Lemm, Mitarbeiter der AWO vor Ort, sowie Vertreter der Lehrerschaft.

Völlig überrascht von den Plänen zur Einstellung des Inselangebotes an ihrer Schule, zeigten sich Elternvertreter und Lehrer, als die Vorsitzende Susanne Molt die aktuelle Beschlusslage der Politik erläuterte. „Die ‚Insel‘ ist vor noch nicht einmal 4 Jahren vor allem auf Betreiben der Elternschaft eingeführt worden. Dabei waren viele Widerstände zu überwinden, vor allem die Weigerung von Stadt und Land, einen finanziellen Beitrag zu leisten. Die AWO hat damals der Fritz-Reuter-Schule mit der Verlagerung ihrer wohnumfeldbezogenen Jugendarbeit in die Schule einen großen Dienst erwiesen. Erst dadurch wurde die ‚Insel‘ möglich“, erklärte Molt.

Sie wollen eine Auflösung der Insel an ihrer Schule nicht hinnehmen: Elternvertreter und Lehrer der Fritz-Reuter-Schule mit Thomas Lemm.


Thomas Lemm verdeutlichte wie eng die wohnumfeldbezogene Jugendarbeit mittlerweile mit dem Inselprojekt an der Schule verknüpft ist: „Die räumliche Nähe zum Lebensmittelpunkt Schule ist eine wesentliche Grundlage für die Arbeit mit den Jugendlichen. Sie ist deshalb im Konzept für die wohnumfeldbezogene Jugendarbeit explizit vorgesehen, wie es damals von der Ratsversammlung beschlossen wurde.“ Mit der Kürzung der Zuschüsse werde nicht nur die Insel wegfallen, sondern vor allem die wohnumfeldbezogene Jugendarbeit stark beschädigt. „Die Insel ist nicht Kern meiner Arbeit“, betonte Lemm, „sondern wird von mir neben meiner eigentlichen Tätigkeit betreut, die neben der Arbeit mit den Jugendlichen gerade auch in den Vormittagsstunden Elternarbeit bedeutet.“

„Thomas Lemm ist für die Schüler und uns jederzeit ansprechbar“, betonte Lehrerin Stefanie Karbe. „Da er nicht zur Schule gehört, findet er einen ganz anderen Zugang zu den Schülern. Er ist für sie Ansprechpartner für familiäre Probleme, solche mit Lehrern und für Dinge, die Schüler mit ihren Lehrern nie besprechen würden. Und all das ist in den meisten Fällen die Ursache für Auffälligkeiten im Unterricht.“ Bekräftigt wurde diese Haltung durch ihren Kollegen Hans-Otto Bock: „Es handelt sich bei der Insel nicht um einen Verwahrungsort für schwierige Schüler. Das Konzept der Zusammenarbeit zwischen Herrn Lemm und der Schule ist viel weitergehend und hat sich inzwischen hervorragend eingespielt.“

Eltern und Lehrer waren sich einig, dass die geplante Schulsozialarbeit als zusätzliches Angebot für die Schule sehr willkommen ist. Wäre aber der Preis dafür die geplante Abschaffung der Insel sowie die Einschränkung der wohnumfeldbezogenen Jugendarbeit, dann würde die Situation in der Schule deutlich schlechter. „Bei der geplanten Personalstärke von einem Schulsozialarbeiter für drei Schulen kann die Arbeit, die Thomas Lemm bisher leistet, nicht aufgefangen werden. Auf der einen Seite beantragt die Stadt mit der Begründung, die Fritz-Reuter-Schule liege an einem sozialen Brennpunkt, die Einführung einer gebundenen Ganztagsschule. Auf der anderen Seite sollen etablierte Angebote für die Jugendlichen reduziert werden. Das passt überhaupt nicht zusammen“, fasste Susanne Molt die Haltung der Elternvertreter zusammen. Einstimmig forderte der Gesamtelternbeirat die Politik auf, sich für die Beibehaltung sowohl der Insel als auch der wohnumfeldbezogenen Jugendarbeit an der Fritz-Reuter-Schule einzusetzen.

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